BiBiBiber Schlafen Buch Quellen & Dank
BiBiBiber hat da mal 'ne Frage: Warum muss ich schlafen? – QUELLEN & WEITERE INFOS ZUM BUCH
BiBiBiBER HAT DA MAL 'NE FRAGE: Warum muss ich schlafen?:
von: Mai Thi Nguyen-Kim und Marie Meimberg
Mit wissenschaftlicher Unterstützung von: Dr. Lars Dittrich.
Illustrationen & Lettering: Marie Meimberg
Nach einer Idee von: Marie Meimberg
Einband: Marie Meimberg
Foto-Credit: Boris Breuer
Lektorat: Helene Hillebrandt und Sarah Nünning (Snü)
Korrektorat: Martina König und Cara Kolb
Produktion & Herstellung Buch: Angela Twiefel
Produktion & Herstellung Cover: Frauke Weise
QUELLEN:
Hier findet Ihr eine Auflistung unserer wichtigsten Quellen – vor allem zu Aussagen oder Inhalten, die nicht in Standardlehrbüchern zu finden sind - und ein paar weitere Infos und Anmerkungen.
Stand: Oktober 2025
Sollten uns Fehler auffallen oder sollte es neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft geben, werden wir die Quellen – und bei nächster Druckgelegenheit auch die Bücher – entsprechend aktualisieren.
PROLOG:
Fred Fledermaus ist in den Dämmerungen wach. Also in beiden. Morgen-Dämmerung und Abend-Dämmerung. Fred Fledermaus ist eine Kleine Braune Fledermaus (Myotis lucifugus) und deswegen in den Dämmerungen unterwegs.
Anthony, E.L.P., Stack, M.H., Kunz, T.H. (1981). Night roosting and the nocturnal time budget of the little brown bat, Myotis lucifugus: Effects of reproductive status, prey density, and environmental conditions. Oecologia, 51:151–156.
Das ist nicht bei allen Fledermausarten so. Fledermäuse, die eher Fliegen und Mücken fangen, gehen in der Dämmerung jagen, weil da ihre Beute unterwegs ist. Dazwischen gibt's keine Beute, deswegen gehen sie schlafen. Arten, die lieber Motten fangen, sind eher auch um Mitternacht unterwegs.
Appel, G., López-Baucells, A., Magnusson, W. E., Bobrowiec, P. E. D. (2017), Aerial insectivorous bat activity in relation to moonlight intensity. Mammalian Biology, 85:37-46.
Rydell, J., Entwistle, A., Racey, P. A. (1996). Timing of Foraging Flights of Three Species of Bats in Relation to Insect Activity and Predation Risk. Oikos, 76(2):243–252.
SEITE 19:
„Es gibt Lebewesen wie Biber und Menschen, die wir VIEL-Zeller nennen, weil sie aus richtig vielen Zellen-Zimmern zusammengebaut sind. Ein 10-jähriges Menschen-Kind mit 32 Kilogramm Körpergewicht besteht zum Beispiel aus etwa 17 Billionen Zellen-Zimmern. Also eine 17 mit 12 Nullen.“
Hatton I. A., Galbraith, E. D., Merlau, N. S. C., Shander, J. A. (2023). The human cell count and size distribution. Proceedings of the National Academy of Sciences, 120(39):e2303077120.
SEITE 21:
Auf der Seite 21 schreiben wir von CO₂-Bausteinen. Wenn Du wissen möchtest, was das ist, empfehlen wir Dir unser „BiBiBiber hat da mal 'ne Frage: Warum leuchten Sterne?“-Buch oder Hörbuch. Da erklären wir das ganz genau. Dabei kannst Du auch lernen, warum Sterne leuchten. Und warum wir alle aus Sternenstaub sind. Eine kurze Erklärung zu den Bausteinen findest Du auch hier unter diesem Link. Denn selbst die Zellen-Zimmer, aus denen fast alles in unserem Körper gebaut ist, selbst die bestehen aus diesen Bausteinen, die ein bisschen so wie Spielzeug-Bausteine sind.
SEITE 26:
„Es wäre für die Zelle also viel besser, schon – sagen wir mal so was wie – eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang mit der Photosynthese-Käsekuchen-Eiweiß-Proteine-Produktion zu starten. Damit alles bereitsteht, sobald die Sonne da ist.“
Dass Mikroben ihre innere Uhr nutzen, um rechtzeitig Photosynthese-Proteine vorzubereiten, kann man tatsächlich in Laborexperimenten sehen.
Vijayan, V., Zuzow, R., O'Shea, E. K. (2009). Oscillations in supercoiling drive circadian gene expression in cyanobacteria. Proceedings of the National Academy of Sciences, 106:22564–22568.
SEITE 28-29:
Wirklich alle Lebewesen haben – soweit wir das wissen – eine innere Wecker-Uhr.
Manche Tiere zeigen keinen Tag-Nacht-Rhythmus in ihrem Verhalten. Rentiere, zum Beispiel, die so nah am Nordpol leben, dass es für sie ein halbes Jahr lang hell und ein halbes Jahr lang dunkel ist. Trotzdem haben auch sie innere Uhren.
Bloch G., Barnes B. M., Gerkema M. P., Helm B. (2013). Animal activity around the clock with no overt circadian rhythms: patterns, mechanisms and adaptive value. Proceedings of the Royal Society B, 280(1765):20130019.
Appenroth D., Ravuri C. S., Torppa S. K., Wood S. H., Hazlerigg D. G., West A. C. (2024). The Reindeer Circadian Clock Is Rhythmic and Temperature-compensated But Shows Evidence of Weak Coupling Between the Secondary and Core Molecular Clock Loops. Journal of Biological Rhythms, 39(6):554-567.
SEITE 31:
Unser Abwehr-Wachhund passt auf, dass keine Viren und Bakterien in unseren Körper kommen. Aber was sind Viren und Bakterien überhaupt?
Viren und Bakterien sind superwinzigklitzeklitzekleine Dinge. Sie sind überall um uns herum. Im Wasser, in der Luft, auf Gegenständen und auch auf unserer Haut. Viele von ihnen sind total harmlos. Und sogar nützlich. Andere können uns krank machen. Bakterien sind Ein-Zeller-Lebewesen. Sie können also wie unsere Mikroben selbst leben und wachsen. Viren können das nicht. Deswegen zählen sie auch nicht als Lebewesen. Um sich zu vermehren, brauchen sie Zellen. Deswegen haben sie eine klare Viren-Mission: Eine Zelle finden. Und wenn sie die gefunden haben, dann sagen sie der Zelle so was wie: „So, Du kleine Zelle. Hör mir mal gut zu. Ab jetzt lässt Du Deine Zellen-Hausaufgaben links liegen. Und machst vor allem eins: Mehr Viren!“
SEITE 32 und folgende:
„Na ja, stell Dir mal vor, alle Lebewesen auf dieser Erde könnten nur eine einzige Sache besonders gut und würden diese eine einzige Sache auch immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort machen. Na, dann wäre das wie ein harter Wettkampf, den nur ein Lebewesen gewinnen könnte.“
Hier beziehen wir uns natürlich auf die Tierarten. Wir meinen also nicht einen Wettkampf zwischen Fred Fledermaus versus Frida Fledermaus, Fadma Fledermaus, Francesco Fledermaus, Frank Fledermaus und Fritzi Fledermaus.
Unsere Perlenketten erklären, was auch als das Prinzip der ökologischen Nische bezeichnet wird. Das beschreibt, was wir auch mit unseren Perlenketten sagen: Es ist unmöglich, dass zwei Arten die identische Nische besetzen. Und wenn es doch mal so aussieht, als wäre das so, dann muss es irgendetwas geben, das man noch nicht herausgefunden hat, das Nischen dann doch unterscheidet. Wie z. B. Tageszeit der Aktivität.
SEITE 34 und folgende:
Wenn Du mehr über den Wettkampf der Tiere wissen möchtest, darüber, warum die Stärksten eben nicht immer gewinnen und verstehen willst, was das mit der Frage zu tun hat, ob Dinosaurier wirklich alle tot sind, kannst Du das in unserem „BiBiBiber hat da mal 'ne Frage: Sind Dinos wirklich alle tot?“-Buch oder Hörbuch rausfinden.
Fred Fledermaus und Mauersegler fressen Insekten.
Die Kleine Braune Fledermaus frisst gerne Zweiflügler, zu denen die Mücken und Fliegen gehören, und auch Falter, zu denen die Motten gehören.
lare E. L., Symondson W. O., Broders H., Fabianek F., Fraser E. E., MacKenzie A., Boughen A., Hamilton R., Willis C. K., Martinez-Nuñez F., Menzies A. K., Norquay K. J., Brigham M., Poissant J., Rintoul J., Barclay R. M., Reimer J. P. The diet of Myotis lucifugus across Canada: assessing foraging quality and diet variability. Molecular Ecology, 23(15):3618-32.
Auch Mauersegler fressen fliegende Insekten wie Zweiflügler und auch manchmal kleinere Falter.
Lack, D., Owen, D. F. (1955). The Food of the Swift. Journal of Animal Ecology, 24(1):120-136.
von der Dunk, K. (2019). Futterkugeln (Boli) vom Mauersegler (Apus apus L.) von 2017 und 2018 (Mittelfranken, Bayern). galathea, 35:91-119.
Außerhalb von einem Buch, in dem ein Biber eine blaue Brille trägt und mit anderen Tieren und Menschen spricht und befreundet ist, würde Fred Fledermaus einem Mauersegler allerdings gar nicht begegnen, wenn er nicht grad auf einem Austauschjahr unterwegs – oder ausgewandert ist, weil er vielleicht keine Lust hat auf die Politik von Trump. Denn die Kleine Braune Fledermaus kommt nur in Amerika vor und Mauersegler in Europa, Asien und Afrika. Aber in der Nachbarschaft von Fred Fledermaus gibt es z. B. den Schwarzsegler, der praktisch die gleiche Perlenkette trägt wie der Mauersegler. Auch er frisst gerne so genannte Zweiflügler und Falter.
Potter, K. M., Gunn, C., Beason, J. P. (2015). Prey items of the Black Swift (Cypseloides niger) in Colorado and a review of historical data. The Wilson Journal of Ornithology, 127(3):411-420.
Und es gibt auch verschiedene Fledermausarten, die nah mit Fred Fledermaus verwandt sind, die in der Nachbarschaft des Mauerseglers leben und gerne Zweiflügler und Falter fressen.
Ware RL, Garrod B, Macdonald H, Allaby RG (2020). Guano morphology has the potential to inform conservation strategies in British bats. PLoS One, 15(4):e0230865.
SEITE 44:
Wenn ein KROKODIL sich verausgabt, sammelt sich in seinem Körper Milchsäure (auch bekannt als Laktat). Das ist bei uns zwar auch so. Das Krokodil benötigt allerdings etwa sechs Stunden Ruhe, bis die Milchsäure wieder abgebaut ist.
Hartzler LK, Munns SL, Bennett AF, Hicks JW (2006). Recovery from an activity-induced metabolic acidosis in the American alligator, Alligator mississippiensis. Comparative Biochemistry and Physiology Part A: Molecular & Integrative Physiology, 143(3):368-74.
Menschen benötigen dafür nur zwischen 30 und 60 Minuten.
Durand R., Galli M., Chenavard M., Bandiera D., Freund H., Messonnier L. A. (2021). Modelling of Blood Lactate Time-Courses During Exercise and/or the Subsequent Recovery: Limitations and Few Perspectives. Frontiers in Physiology, 12:702252.
Chatel B., Bret C., Edouard P., Oullion R., Freund H., Messonnier L. A. (2016). Lactate recovery kinetics in response to high-intensity exercises. European Journal of Applied Physiology, 116(8):1455-65.
SEITE 45:
Der Große PANDA ernährt sich fast ausschließlich von Bambus. Weil sein Bären-Verdauungssystem aus dieser rein pflanzlichen Nahrung aber nicht so viel Energie herausholen kann, wie das bei anderen Pflanzenfressern wie z. B. Kühen der Fall ist, muss er bis zu 14 Stunden am Tag fressen. Zusätzlich spart er Energie, wo er nur kann. Zum Beispiel indem er sich sehr wenig bewegt.
Nie Y., Speakman J. R., Wu Q., Zhang C., Hu Y., Xia M., Yan L., Hambly C., Wang L., Wei W., Zhang J., Wei F. (2015). ANIMAL PHYSIOLOGY. Exceptionally low daily energy expenditure in the bamboo-eating giant panda. Science, 349(6244):171-4.
Xue Z., Zhang W., Wang L., Hou R., Zhang M., Fei L., Zhang X., Huang H., Bridgewater L. C., Jiang Y., Jiang C., Zhao L., Pang X., Zhang Z. (2015). The bamboo-eating giant panda harbors a carnivore-like gut microbiota, with excessive seasonal variations. mBio, 6(3):e00022-15.
ALBATROSSE können besser starten und landen, wenn der Wind nicht zu schwach ist. Wenn sie bei schwachem Wind landen, haben sie eine hohe Geschwindigkeit. Auf dem Wasser ist das kein Problem, aber auf hartem Boden kann das zu Stürzen führen.
Uesaka L., Goto Y., Naruoka M., Weimerskirch H., Sato K., Sakamoto K. Q. (2023). Wandering albatrosses exert high take-off effort only when both wind and waves are gentle. Elife, 12:RP87016.
Cone C. D. A Mathematical Analysis of the Dynamic Soaring Flight of the Albatross with Ecological Interpretations (1964). Special Scientific Report. Virginia Institute of Marine Science, College of William and Mary.
Dieser Link leitet Dich auf YouTube weiter zu einem Video von einem Albatros-Lande-Purzelbaum: youtube.com/watch?v=RISsiVIWV-M&embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fwhyevolutionistrue.com%2F&source_ve_path=MjM4NTE.
SEITE 48-49
Lerchen sind dafür bekannt, dass sie früh am Tag mit dem Singen anfangen, Eulen kommen hingegen erst spät abends aus den Federn. Daher hat sich eingebürgert, Frühaufsteher-Menschen „Lerchen“ zu nennen und Spätaufsteher „Eulen“. Hin und wieder findet man auch die Bezeichnung „Taube“ für Menschen, die weder besonders früh, noch besonders spät aufstehen, sondern genau im Durchschnitt sind. Um zu verdeutlichen, dass es auch alles Mögliche dazwischen gibt, haben wir noch ein paar Vögel dazu genommen: Rotkehlchen, Singdrossel, Blaumeise und Buchfink. Wer von denen eher früh oder eher spät anfängt zu singen, haben wir uns nicht ausgedacht. Das wissen wir aus der Vogelforschung.
Da Silva A., Samplonius J. M., Schlicht E., Valcu M., Kempenaers B., Artificial night lighting rather than traffic noise affects the daily timing of dawn and dusk singing in common European songbirds, Behavioral Ecology, 25(5):1037–1047.
Als „Taube“ haben wir Euch eine Ringeltaube gemalt, weil deren Gesang morgens etwa zwischen Singdrossel und Blaumeise losgeht.
Böhm, F., Brückner, J., Eichhorn, D., Geiger, R., Johl, B., Kahl, S., Kleudgen, I., Köhler, K., Kreifelts, V., Metschke, K., Meyer, M., Richter, A.-C., Schulze, B., Stecker, R.-M., O.M., P., Win, M. (2016). Cloud cover but not artificial light pollution affects the morning activity of Wood Pigeons. Ornis Fennica, 93(4):246–252.
SEITE 52-53:
GIRAFFEN und ELEFANTEN sind Kurzschläfer.
Giraffen im Zoo schlafen etwa zwischen 4 und 5 Stunden. Ob sie in freier Wildbahn noch weniger schlafen, wissen wir noch nicht. Wenn man im Internet nach Informationen hierzu sucht, findet man einige Quellen, die behaupten, Giraffen würden nur etwa 30 Minuten schlafen. Das ist aber falsch. Der Grund für diese zu niedrige Angabe ist vermutlich, dass schlafende Giraffen meistens so aussehen, als wären sie wach. Denn Giraffen legen nur in der Traumriff-Phase (die wird REM-Phase genannt) ihren Kopf ab.
Tobler I, Schwierin B (1996). Behavioural sleep in the giraffe (Giraffa camelopardalis) in a zoological garden. Journal of Sleep Research, 5(1):21-32.
Bei Elefanten sieht man, dass sie in freier Wildbahn weniger schlafen als im Zoo. In freier Wildbahn schlafen sie etwa 2 Stunden. Im Zoo 3 bis über 6 Stunden. Deswegen bezieht sich unsere Aussage im Buch bei den Elefanten auf die Elefanten in freier Wildbahn.
Gravett N., Bhagwandin A., Sutcliffe R., Landen K., Chase M. J., Lyamin O. I., Siegel J. M., Manger P. R. (2017). Inactivity/sleep in two wild free-roaming African elephant matriarchs - Does large body size make elephants the shortest mammalian sleepers? PLoS One, 12(3):e0171903.
FRED FLEDERMAUS
ist eine Kleine Braune Fledermaus, die bis zu 20 Stunden pro Tag schläft.
Harding C. D., Yovel Y., Peirson S. N., Hackett T. D., Vyazovskiy V. V. (2022). Re-examining extreme sleep duration in bats: implications for sleep phylogeny, ecology, and function. Sleep, 45(8):zsac064.
Auch Fliegen schlafen.
Shafer O. T., Keene A. C. (2021). The Regulation of Drosophila Sleep. Current Biology, 31(1):R38-R49.
WALE und DELFINE
können mit nur einer Gehirnhälfte schlafen.
Lyamin O. I., Manger P. R., Ridgway S. H., Mukhametov L. M., Siegel J. M. (2008). Cetacean sleep: an unusual form of mammalian sleep. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 32(8):1451-84.
ROBBEN
können auch mit nur einer Gehirnhälfte schlafen. Das machen sie besonders, wenn sie im Wasser schlafen. Schlafen sie an Land, machen sie es die meiste Zeit wie alle anderen Landsäugetiere auch – sie schlafen mit beiden Hirnhälften gleichzeitig.
Lyamin OI, Siegel JM. (2019). Sleep in Aquatic Mammals. Handbook of Behavioral Neuroscience, 30:375-393.
STOCKENTEN
schlafen in einer Gruppe an Land. Die Enten ganz außen schlafen verstärkt nur mit einer Hirnhälfte, so dass ein waches Auge gucken kann, ob sich ein Räuber-Tier nähert. Enten in der Mitte schlafen in 12% der Zeit mit nur einer Hirnhälfte, Enten am Rand zu 32% der Zeit.
Rattenborg N., Lima S., Amlaner C. (1999). Half-awake to the risk of predation. Nature 397, 397–398.
SEITE 55 und folgende:
Bei den radikalen Funken-Feuer-Teilchen haben wir uns von den echten freien radikalen inspirieren lassen. Aber sie stehen auch ganz allgemein für Schäden in der Zelle, die durch unkontrollierte chemische Reaktionen entstehen. Zellen sind ständig damit beschäftigt, solche Reaktionen im Zaum zu halten und Schäden zu beseitigen, die durch sie entstehen. Wenn dem Körper Schlaf fehlt, häufen sich diese Schäden an.
Davinelli S, Medoro A, Savino R, Scapagnini G. (2024). Sleep and Oxidative Stress: Current Perspectives on the Role of NRF2. Cellular and Molecular Neurobiology, 44(1):52.
SEITE 59:
Zum Müll: In unseren Zellen entstehen ständig Substanzen, die entsorgt werden müssen, z. B. kaputte Proteine oder giftige Abfallstoffe. Hirnzellen können diese Substanzen besser recyceln oder wegschaffen, wenn wir schlafen. Substanzen, die aus den Gehirnzellen heraus befördert wurden, können sich zwischen den Zellen anhäufen. Auch deren Abtransport aus dem Gehirn und hin zu den Entgiftungsorganen Niere und Leber funktioniert besser im Schlaf.
Ullern H., Schnur P., Boccara C. N., Knævelsrud H. (2025). Rest, Repair, Repeat: The Complex Relationship of Autophagy and Sleep. Journal of Molecular Biology, 437(18):169227.
Hablitz L. M., Nedergaard M. (2021). The Glymphatic System: A Novel Component of Fundamental Neurobiology. Journal of Neuroscience, 41(37):7698-7711.
SEITE 61:
„Im Notfall, also wenn Du mal nicht genug schläfst, erledigt sie (die Zelle) die (Hausaufgaben), wenn Du wach bist.“
Eine Hausaufgabe, die viele Körperzellen regelmäßig machen müssen, ist wachsen. Ein Hormon, das dieses Wachstum steuert, ist das Somatropin. Das wird hauptsächlich im Schlaf ausgeschüttet – hier haben Zellen schließlich Zeit für Hausaufgaben. Schläft man nachts jedoch nicht, holt der Körper die Ausschüttung unvorhersehbar zu zufälligen Tageszeiten nach.
Brandenberger G., Weibel L. (2004) The 24-h growth hormone rhythm in men: sleep and circadian influences questioned. Journal of Sleep Research, 13(3):251-5.
SEITE 62:
Übrigens, wenn wir in der Abtauchphase aufgeweckt werden, haben wir oft das Gefühl, wir hätten gar nicht geschlafen. Das erklärt auch, warum wir glauben, dass wir eigentlich die ganze Zeit wach waren, wenn wir manchmal beim Hörbuch-Hören oder Film-Schauen auf dem Sofa einschlafen und wenn uns dann jemand weckt.
Wir haben unser Tauchbild auf der Grundlage eines so genannten Hypnogramms erstellt. Hier wird festgehalten, in welcher Schlafphase sich Menschen im Laufe der Nacht befinden. Das sieht typischerweise so aus de_schlafzyklen_linear_replacement_image.jpg (550×278) oder so Sleep Hypnogram - Rapid eye movement sleep - Wikipedia.
Es unterteilt den Schlaf in folgende Phasen:
NREM1 ist die Einschlafphase, wir nennen sie Abtauch-Phase.
NREM 2 ist leichter Schlaf, wir nennen sie Tauch-Phase.
NREM 3 ist Tiefschlaf, wir nennen sie Tieftauch-Phase.
Und REM ist nochmal eine ganz eigene Schlafphase und wird oft Traumschlaf genannt. Wir nennen sie Traumriff.
Wenn wir schreiben: „Wenn wir tiefer in unsere Schlafwelt abtauchen, wird es für unser Gehirn entspannter. Am tiefen Grund des Schlafs, da bekommt unser Gehirn seine Pause“, beziehen wir uns darauf, dass das Gehirn immer weniger Energie verbraucht, je tiefer wir schlafen.
Hobson J. A., Pace-Schott E. F., Stickgold R. (2000) Dreaming and the brain: toward a cognitive neuroscience of conscious states. Behavioral and Brain Science, 23(6):793-842.
Xu J., Wiemken A., Langham M. C., Rao H., Nabbout M., Caporale A. S., Schwab R. J., Detre J. A., Wehrli F. W. (2024). Sleep-stage-dependent alterations in cerebral oxygen metabolism quantified by magnetic resonance. Journal of Neuroscience Research,102(3):e25313.
SEITE 64:
„Einige von ihnen glauben, dass Träumen wie so ein Was-Wäre-Wenn-Rumprobieren von unserem Gehirn ist.“
Valli K, Revonsuo A. (2009). The threat simulation theory in light of recent empirical evidence: a review. The American Journal of Psychology, 122(1):17-38.
SEITE 64-67:
S. 67: „Die Fantasie, mit der sich unser Gehirn immer wieder traumhafte Probleme ausdenkt, die können wir auch für unsere Lösungen nutzen.“ Diese Strategie nutzt die Imagery Rehearsal Therapy, deren Wirksamkeit sich in Studien bestätigt hat.
Harb G. C., Thompson R., Ross R. J., Cook J. M. (2012). Combat-related PTSD nightmares and imagery rehearsal: nightmare characteristics and relation to treatment outcome. Journal of Traumatic Stress, 25(5):511-8.
Lancee J., Effting M., Kunze A. E. (2021). Telephone-guided imagery rehearsal therapy for nightmares: Efficacy and mediator of change. Journal of Sleep Research, 30(3):e13123.
SEITE 68:
Schlaf räumt unser Gedächtnis auf.
Lutz ND, Harkotte M, Born J. (2025) Sleep's contribution to memory formation. Physiological Reviews, doi: 10.1152/physrev.00054.2024. Epub ahead of print.
SEITE 70:
Schlaf wird von zwei Uhren gesteuert, dem inneren Wecker und der Schlaf-Sanduhr. In der Wissenschaft heißen die Prozess C (für „circadian“, also tageszeitabhängig) und Prozess S (für „schlafabhängig“).
Borbély A. (2022). The two-process model of sleep regulation: Beginnings and outlook. Journal of Sleep Research, 31(4):e13598.
In Würmern (ja, die schlafen auch) wurde entdeckt, dass Körperzellen, bei denen sich Protein-Hausaufgaben angehäuft haben, dem Gehirn mitteilen können, dass langsam Zeit zum Schlafen ist.
Kawano T, Kashiwagi M, Kanuka M, Chen CK, Yasugaki S, Hatori S, Miyazaki S, Tanaka K, Fujita H, Nakajima T, Yanagisawa M, Nakagawa Y, Hayashi Y. (2023). ER proteostasis regulators cell-non-autonomously control sleep. Cell Reports, 42(3):112267.
SEITE 79:
Bei Schlafmangel kann unser Abwehr-Wachhund (also unser Immunsystem) nicht mehr so gut auf uns aufpassen. Siehe hierzu die Quellen oben unter SEITE 55 und SEITE 59.
Garbarino, S., Lanteri, P., Bragazzi, N. L., Magnavita N., Scoditti E. (2021). Role of sleep deprivation in immune-related disease risk and outcomes. Communications Biology 4(1):1304.
SEITE 82-83:
Unausgeschlafen sind wir nicht so stark und nicht so schnell:
Craven J., McCartney D., Desbrow B., Sabapathy S., Bellinger P., Roberts L., Irwin C. (2022). Effects of Acute Sleep Loss on Physical Performance: A Systematic and Meta-Analytical Review. Sports Medicine, 52(11):2669-2690.
„Müde Menschen machen mehr Fehler“:
Stepan M. E., Fenn K. M., Altmann E. M. (2019). Effects of sleep deprivation on procedural errors. Journal of Experimental Psychology: General, 148(10):1828-1833.
„Essen mehr ungesunde Sachen“:
Benjamins J. S., Hooge I. T. C., Benedict C., Smeets P. A. M., van der Laan L. N. (2021). The influence of acute partial sleep deprivation on liking, choosing and consuming high- and low-energy foods. Food Quality and Preference, 88:104074.
Für müde Menschen ist die Welt ein schlechterer Ort.
Unausgeschlafen sehen wir die Welt negativer. Das zeigt sich z. B. in einem Experiment, in dem Versuchsteilnehmer:innen Fotos danach beurteilen, wie angenehm oder unangenehm sie sind. Sind die Teilnehmer:innen unausgeschlafen, können sie den Fotos weniger Angenehmes abgewinnen.
Tempesta D., De Gennaro L., Natale V., Ferrara M. (2015). Emotional memory processing is influenced by sleep quality. Sleep medicine,16(7):862-870.
In einer anderen Studie wurden Teilnehmer:innen nach Erinnerungen aus ihrem eigenen Leben gefragt. Den Unausgeschlafenen fielen deutlich weniger angenehme Erinnerungen ein als den Ausgeschlafenen.
Zare Khormizi H., Salehinejad M. A., Nitsche M. A., Nejati V. (2019). Sleep-deprivation and autobiographical memory: evidence from sleep-deprived nurses. Journal of Sleep Research, 28(1):e12683.
SEITE 84-89
Noch mehr Tipps für guten Schlaf findet Ihr bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin, z. B. hier und hier.
DANKE AN:
Für die wissenschaftliche Expertise: Dr. Lars Dittrich. Für den Wissenschafts-Check: Dr. Jens Foell. Für die Musik: Johannes Yunus Berger, Joscha Baltes und Leon Pock. Fürs Buch-Lektorat: Helene Hillebrandt und Sarah Nünning (Snü). Fürs Buch-Korrektorat: Martina König und Cara Kolb. Fürs Hörbuch-Lektorat: Sandra Maus. Und natürlich auch an den Rest der Oetinger-BiBiBiber-Bande: Julia Bielenberg, Imke Ahrens, Susanne Mardt, Nina Horn, Anne Petersen, Nina Staedler, Maren Schröder, Helga Blümlein, Judith Kaiser, Anika Tasche, Alexandra Fürtauer, Torsten Hartmann, Nina Leptien, Denise Noetzel, Jan Meier, Jasmin Krause, Carina Fricke, Ulrike Düwert, Angela Twiefel und Frauke Weise. Fürs Management: Constanze Weihrauch und ihre Crew. Für unsere Zusammenarbeit: Peer Bießmann, Frank Bott und Crew, Doro Zauner, Boris Breuer und Andrea Braun. Und für einfach alles ein großes DANKE an Matthias, die Eltern von Mai, die große Maus und das kleine Vögelchen, Maries Lieblingsmenschen, Maries Familie, Manu und Maries Mamie, die – während dieses Buch entstand – das letzte Mal L'Internationale sang. Merci pour tout.
