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Prinzessin Madeleine im Interview: Kinder haben Rechte

Kinder haben Rechte

„Stella und das Geheimnis“, das erste Kinderbuch von Prinzessin Madeleine von Schweden in Zusammenarbeit mit der World Childhood
Foundation, basiert auf dem Thema Kinderrechte

 

Worum geht es in „Stella und das Geheimnis“?
Prinzessin Madeleine: Es geht um ein Mädchen, das mit seiner Familie von New York nach Schweden umzieht. Vor allem geht es darum, Kinder zu ermutigen, für sich selbst einzustehen, und ihre innere Stärke zu entdecken und den Mut zu haben, „Nein“ zu sagen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt.

Was ist das Ziel des Buches?
Prinzessin Madeleine: Ich denke, dass man als Elternteil schwer den richtigen Moment findet, um mit seinen Kindern über schwierige Dinge zu sprechen. Ich hoffe, dass dieses Buch Kindern, Eltern und Lehrer*innen helfen kann, neue Wege zu finden, um über Themen zu sprechen, die sonst vielleicht schwierig zu behandeln sind. Es ist auch eine Einführung in schwierige Bereiche wie sexueller Missbrauch und körperliche Integrität. Wir hoffen, dass das Buch Kindern helfen kann, ihre innere Stärke zu finden, um in unangenehmen Situationen für sich selbst einzustehen, und dass es zeigt, dass diejenigen, die Opfer von Missbrauch werden, nicht allein sind. Wir lassen die Hauptfigur Stella sowohl gute als auch schlechte Geheimnisse erleben. Gute Geheimnisse sollten immer Geheimnisse bleiben, aber schlechte Geheimnisse sind zu schwer für ein Kind, um sie allein zu tragen. Als Erwachsene müssen wir den Kindern diese Verantwortung abnehmen und ihnen erklären, dass es mithilfe eines vertrauenswürdigen Erwachsenen immer eine Lösung für das Problem geben wird. Das Kind sollte niemals selbst auf diese Lösungen kommen müssen.

Das Buch ist in einer Zusammenarbeit mit Karini Gustafson-Teixeira, Marie Oskarsson und der Illustratorin Stina Lövkvist entstanden. Wie ist dieser Prozess verlaufen?
Prinzessin Madeleine: Es hat sehr viel Spaß gemacht! Wir hatten eine großartige Teamarbeit, einschließlich langer und kreativer Treffen. Wir haben hauptsächlich per Telefonkonferenz zusammengearbeitet, da wir alle in verschiedenen Städten – und auf anderen Kontinenten – leben.

Warum ist „Stella und das Geheimnis“ ein Kinderbuch?
Prinzessin Madeleine: Karini und ich arbeiten schon seit mehreren Jahren an Projekten zusammen. So hatten wir die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben, das sich mit diesen Themen beschäftigt und die Kinder direkt erreicht. Wir begannen, über Stella zu schreiben, und danach half uns Marie bei der Ausarbeitung der Geschichte. Es ist ein sensibles und schwieriges Thema, über das man schreiben muss.

Warum ist das Buch so wichtig?
Prinzessin Madeleine: Es ist wichtig, weil wir das Schweigen über die Tatsache brechen müssen, dass eines von fünf Kindern Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch wird. Dies geschieht auf allen Ebenen der Gesellschaft, überall auf der Welt. Es wurde als Tabu angesehen, das Thema überhaupt zu diskutieren, aber ich denke, wir sehen aktuell einige Fortschritte. Es ist sehr wichtig, dass wir das Schamgefühl, das viele dieser Kinder quält, verringern. Wenn es uns gelingt, Kindern und Eltern zu vermitteln, dass es in Ordnung ist, über diese Dinge zu sprechen – und dass jedes Kind das Recht hat, „Nein“ zu sagen –, dann sind wir schon ziemlich weit gekommen.

Sehen Sie die Rechte von Kindern in Bezug auf ihre Selbstbestimmung in der Gesetzgebung in Europa optimal vertreten – oder sollte es Verbesserungen geben? Wenn ja, wie sehen diese aus?
Prinzessin Madeleine: Wir wissen, dass rechtliche Rahmenbedingungen wichtig sind, aber nicht ausreichen, um Kinder zu schützen. Die Art und Weise, wie Gesetze ausgelegt und umgesetzt werden, spielt eine Rolle. Auch andere Faktoren wie Medien, Kultur und öffentlicher Diskurs spielen eine wichtige Rolle dabei, wie Kinderrechte im Allgemeinen und sexueller Kindesmissbrauch im Besonderen anerkannt und behandelt werden. Alle Teile der Gesellschaft müssen sich für die Sicherheit von Kindern einsetzen.

Haben Sie den Eindruck, dass viele Eltern ihren Kindern nicht wirklich zuhören oder ihnen nicht glauben? Das Gleiche gilt für Erzieher*innen und Lehrer*innen. Wir wollen keine Anschuldigungen erheben, aber es müssen Wege gefunden werden, um Lösungen zu finden.
Prinzessin Madeleine: Es gibt fantastische Menschen, Eltern, Lehrer*innen und andere, die den Kindern wirklich zuhören. Dennoch wissen wir, dass die meisten Kinder, die sexuell missbraucht werden, nie einem Erwachsenen davon erzählen, geschweige denn sich an eine Fachkraft wenden. Deshalb müssen wir als Gruppe von Erwachsenen besser zuhören. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, ihnen zu zeigen, dass wir bereit sind, über schwierige Themen wie den sexuellen Missbrauch von Kindern zu sprechen. Wir müssen das Schweigen und das Tabu um dieses Thema brechen. Das ist einer der Gründe, warum ich das Buch „Stella und das Geheimnis“ geschrieben habe, um das Gespräch zu erleichtern.

​​​​​Foto: Charles Lidbom

Inwieweit hängt das Thema des Buches von der sozialen
Stellung in den Familien ab, oder glauben Sie, dass es überall vorkommt, dass Kinder in schwierigen Situationen zu wenig oder kein offenes Ohr finden?

Prinzessin Madeleine: Wir wissen, dass sexueller Missbrauch von Kindern in allen Teilen der Welt vorkommt, unabhängig vom wirtschaftlichen und sozialen Status und über alle Religionen hinweg. Der beste Schutz, den ein Kind haben kann, ist, wenn es liebevolle Erwachsene an seiner Seite hat.

Was ist Ihr persönlicher Tipp für Erwachsene, wenn sich ein Kind öffnet? Oft ist die Geschichte ein wenig verworren und nicht immer direkt schlüssig. Da ist die Gefahr groß, dass man Dinge falsch versteht.
Prinzessin Madeleine: Ein einfaches „Hallo, wie geht es dir?“ kann ein guter Anfang sein, um einem Kind zu zeigen, dass man sich um es kümmert, vor allem, wenn man sich um ein Kind Sorgen macht. Fragen Sie nicht nur einmal, sondern immer wieder. Versuchen Sie, offene, nicht wertende Fragen zu stellen und das Kind frei sprechen zu lassen. Vermeiden Sie „Warum“-Fragen wie „Warum bist du dorthin gegangen?“ oder „Warum hast du das getan?“. Versprechen Sie niemals, es geheim zu halten und es niemandem zu erzählen. Und denken Sie daran, dem Kind zu helfen, den Missbrauch zu melden und mit einer Fachkraft zu sprechen, falls der Missbrauch aufgedeckt wird.

Sie unterstützen die World Childhood Foundation. Wie und wann hat sich die Leidenschaft für diese Themen entwickelt?
Prinzessin Madeleine: Vor vielen Jahren, dank meiner Mutter. Sie gründete die World Childhood Foundation und erzählte uns immer von ihren Begegnungen, wenn sie die Projekte besuchte. Sie traf viele Kinder aus sehr problembehafteten Umgebungen, darunter auch Jugendstrafgefangene und Straßenkinder. Ich konnte sehen, dass ihr Engagement wirklich etwas bewirkte, und ich spürte sofort, dass ich helfen wollte. Deshalb freue ich mich besonders, jetzt ein Buch herauszubringen, das hoffentlich dazu beiträgt, diese Fragen weiter zu klären.

Wird es in Zukunft weitere Bücher geben?
Prinzessin Madeleine: Das kann man nie wissen!

Sie sind Mutter von drei Kindern. Lesen Sie Ihren Kindern vor?
Prinzessin Madeleine: Ja, und zwar zunehmend, je älter sie werden. Leonore findet es sehr lustig, gemeinsam Bücher zu lesen. Nicolas genießt es auch. Es ist ein gemütlicher und wertvoller Moment, wenn wir uns zusammen hinsetzen und diese Verbindung spüren. Wir versuchen, jeden Tag ein bisschen zu  lesen.

Wie ist Ihr eigenes Verhältnis zu Büchern und zum Lesen im Allgemeinen?
Prinzessin Madeleine: In unserer Familie gibt es Legasthenie, und ich fand es etwas frustrierend zu lesen, als ich jünger war. Aber mir wurde früh geholfen, meine Leseschwäche zu bekämpfen. Ich liebe es jetzt, Bücher zu lesen.

Gibt es ein bestimmtes Buch oder eine Figur aus Ihrer Kindheit, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Prinzessin Madeleine: Pippi Langstrumpf, natürlich. Astrid Lindgren hat bei mir immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie war ihrer Zeit voraus und ihre Bücher sind heute noch genauso aktuell. Das finde ich sehr faszinierend.

 

In ihrer Arbeit mit der von Königin Silvia von Schweden gegründeten World Childhood Foundation begegnet Madeleine Bernadotte (Prinzessin Madeleine von Schweden) den Geschichten gefährdeter Kinder und setzt sich leidenschaftlich dafür ein, ihre Realität nahe zu bringen. Madeleine Bernadotte, Mutter von Prinzessin Leonore (* 20. Februar 2014), Prinz Nicolas (* 15. Juni 2015) und Prinzessin Adrienne (* 9. März 2018), beteiligt sich an einer Vielzahl von Projekten, die die Organisation sowohl in Schweden als auch im Ausland durchführt. Prinzessin Madeleine von Schweden kehrt im Sommer den USA den Rücken. So verkündete das Schwedische Königshaus: „Ihre königliche Hoheit Prinzessin Madeleine und Mr. Christopher O‘Neill werden gemeinsam mit ihren Kindern im August 2023 nach Stockholm ziehen.“

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