Verlagsgruppe Oetinger

Interview
Ausgefragt: Tanya Stewner

Tanya Stewner

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben?
Ich wollte schon lange eine Geschichte über ein Meermädchen schreiben – ein Mädchen, das wild und frei mit einer Bande auf einem Schiff lebt. Diese Idee hat über viele Jahre in mir geschlummert, und ich bin unglaublich froh und auch ein klein wenig stolz, dass nun „Alea Aquarius“ daraus entstanden ist.

Würden Sie gerne einen Tag mit Alea und der Alpha Cru verbringen? Was würden Sie gemeinsam unternehmen?
Oh, das wäre ein Traum! Ich würde wahnsinnig gern an einem ganz normalen Tag dabei sein; schon morgens, wenn sie frühstücken und Sammy Witzchen reißt; und mittags, wenn sie in irgendeiner Stadt als Band auftreten und Tess so toll singt, dass man Gänsehaut bekommt; und auch später, wenn Ben das Kommando zum Anker lichten und Segel hissen gibt; doch vor allem abends, wenn sie zusammen an Deck sitzen und sich Alea und Lennox unter dem Sternenhimmel gegenseitig ihre Geheimnisse erzählen.

Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
Ich glaube, mit Alea. Sie grübelt viel und möchte gern das Richtige tun, kann sich aber auch haltlos freuen und mit Sammy sogar ein bisschen albern sein.

Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, was sie am liebsten essen?
Ich denke, ich kenne meine Figuren sehr gut. Was sie gern essen, weiß ich auch. :-) Beim Schreiben ist es oft so, dass ich die Figuren richtig vor mir sehe und praktisch nur mitschreibe, was sie erleben.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Wenn ich weiß, dass ich einen Schreibtag vor mir habe, freue ich mich vorher schon wie verrückt darauf. Ich mache nichts lieber als Geschichten zu schreiben! Meistens stehe ich sehr früh auf und fange um vier oder fünf Uhr an zu schreiben. Irgendwann wacht meine kleine Tochter Mailena auf, wir verbringen ein bisschen Zeit miteinander (oft erzähle ich ihr, was ich gerade schreibe) und dann bringe ich sie zum Kindergarten. Danach schreibe ich weiter bis zum Abendessen - aber nur, wenn mein Mann den Nachmittag mit Mailena verbringt, sonst nur bis zum frühen Nachmittag.

Welche Bücher haben Sie als Kind gern gelesen?
Mit zehn Jahren habe ich Astrid Lindgren für mich entdeckt. Mein absoluter Liebling ist „Ronja Räubertochter“, aber es gibt noch so viele tolle andere Bücher von Astrid Lindgren …

Welche Bücher lesen Sie heute gerne
Ich lese gern Kinder- und Jugendbücher (zum Beispiel „Harry Potter“), aber auch englische Klassiker von Virginia Woolf, Charles Dickens oder Jane Austen.

Waren Sie gut in Deutsch?
Es wird viele überraschen, aber ich hatte als Kind Angst vor Büchern. In der Grundschule war ich sehr schlecht, in allen Fächern, aber vor allem in „Sprache“. Das lag vor allem daran, dass ich von ein paar Mitschülern gemobbt wurde und mich im Unterricht nie traute, etwas zu sagen, weil ich von diesen Kindern immer ausgelacht wurde. Besonders schlimm war es, vorzulesen. Ich wurde jedes Mal ausgelacht, bei jedem Satz, und irgendwann habe ich beim Vorlesen angefangen, vor Angst zu stottern, und bin dafür natürlich umso mehr ausgelacht worden. Dadurch habe ich eine richtige Angst vor Büchern entwickelt. Ich habe damals einen großen Bogen um alle Bücher gemacht und nie freiwillig etwas gelesen – geschweige denn geschrieben! Meine Lehrerin sagte meinen Eltern damals, dass ich wohl niemals richtig lesen und schreiben lernen würde.

Als ich dann mit zehn Jahren auf die weiterführende Schule kam, hatte ich plötzlich neue Mitschüler und neue Lehrer. Alle waren nett zu mir, und ich weiß noch wie ich dachte: „Ich versuche das jetzt einfach noch mal mit dem Lesen.“ Und es klappte! Ich konnte lesen! Es war, als wäre ein Schalter in meinem Kopf umgelegt worden. Ich war in der Grundschule wohl einfach komplett blockiert gewesen. Damals, mit zehn Jahren,  habe ich angefangen, Bücher zu lesen, und schnell gemerkt, wie viel Spaß das macht! Ich wurde außerdem ziemlich gut in der Schule und war am Ende des Schuljahres sogar Klassenbeste – was einem kleinen Wunder gleichkam. Aber ich hatte mit einem Mal richtig Freude an allem, vor allem an der Sprache.

Was wollten Sie als Kind werden?
Ich habe schon immer viel Phantasie gehabt, aber als ich Bücher für mich entdeckte (vor allem die Geschichten von Astrid Lindgren und Michael Ende), kam mir auch schnell die Idee, dass ich selbst einmal etwas schreiben könnte. Meine erste Geschichte hieß „Die Pferdebande“. Sie war vier Seiten lang und es ging um vier Mädchen und ihre vier Pferde. Meine große Schwester Carola las die Geschichte damals und sagte, dass sie sie gut fände. Das war toll für mich, denn meine Schwester ist vier Jahre älter als ich! Ich schrieb also noch eine Geschichte und dann noch eine und noch eine, und jedes Mal gab ich sie meiner Schwester zu lesen, die mich immer anfeuerte und sagte: „Schreib weiter! Ich will wissen, wie es weitergeht!“ Damals entstand der Wunsch in mir, Schriftstellerin zu werden.
Ich habe den Traum vom Schreiben viele viele Jahre in mir getragen und nie aufgegeben, auch, als ich merkte, dass es ganz und gar nicht leicht ist, Schriftsteller zu werden. Das Schreiben ist aber meine große Leidenschaft – die Geschichten wollen einfach aus mir raus.

Wenn man bedenkt, wie alles bei mir angefangen hat, und dass meine Grundschullehrerin dachte, ich würde niemals richtig lesen und schreiben lernen, ist es wohl recht erstaunlich, dass ich heute Schriftstellerin bin und auf Lesereisen aus meinen Büchern vorlese – obwohl das genau die eine Sache ist, vor der ich in der Grundschulzeit am allermeisten Angst hatte.

Ich denke, das zeigt, dass man niemals aufgeben darf. Auch, wenn man in einem Fach oder bei einer bestimmten Sache schlechter ist als andere, heißt das noch lange nicht, dass sich das nicht irgendwann ändern kann, und womöglich wird man irgendwann richtig gut und macht sogar einen Beruf daraus! Bei mir ist es so gewesen, und ich habe gelernt, dass man sich nicht unterkriegen lassen darf und niemals aufhören darf, zu hoffen und zu träumen.

Mehr über Tanya Stewner

Online Special Alea Aquarius

Alea Aquarius: Videointerview Tanya Stewner