Verlagsgruppe Oetinger

Interview
Interview Stefanie Taschinski

Stefanie Taschinski

Wie haben Sie den Funklerwald entdeckt?
Der Funklerwald ist schon lange in mir - als erträumter und imaginierter Ort ebenso wie als Erinnerung an ausgedehnte Spaziergänge in meiner Kindheit. Wir Kinder durften immer abseits der Wege laufen, wo es die herrlichsten Dinge zu entdecken gab: winzige Tannen, die kaum größer als ein Daumen waren, ausgeblichene Knochen und Kreise schrumpeliger Pilze. All dies findet sich in Funklerwald wieder.

Warum spielt die Geschichte in der Tierwelt?
Ich habe lange überlegt, in welcher Form ich die Begegnung zweier Wesen erzähle, die sich vollkommen fremd sind, die sich misstrauisch beäugen und fürchten. Ich wollte, dass sich jedes Kind in diese Geschichte hineinversetzen kann, ganz gleich ob es hier fest verwurzelt ist oder seinen Platz noch gar nicht gefunden hat. So kam die Idee, eine Parabel zu schreiben mit Tieren als Protagonisten, durch deren Augen wir vielleicht manches anders sehen können.

Wenn das Luchsmädchen Lumi Fische fängt und Fährten erschnüffelt, erscheint mir das sehr artgerecht. Haben Sie das natürliche Verhalten der Tiere für Ihr Buch recherchiert?
In Vorbereitung zu Funklerwald habe ich mich viel mit den Lebensgewohnheiten der Waldbewohner beschäftigt, Naturführer und Bildbände gewälzt. Ich wollte die verschiedenen Tiere so lebendig wie möglich werden lassen, damit die Kinder sich ganz in ihre Welt einfühlen können und dieses Abenteuer so „auf ihren Pfoten“ miterleben.

Warum lehnen die einen Tiere im Funklerwald die Waschbären als Eindringlinge ab und die anderen freunden sich mit ihnen an?
Ich denke, ob wir einen Fremden als Eindringling ablehnen oder offen sind, ihn näher kennenzulernen, hängt stark von unserer Fähigkeit und Bereitschaft ab, uns überhaupt in andere hineinzuversetzen. Kann ich mir vorstellen, wie es mir an seiner Stelle ginge? Kann ich mir vorstellen, dass mir womöglich etwas Ähnliches widerfährt? Lumi, das Luchsmädchen, kann sich in Rus und dessen Familie hineinfühlen und erkennt bald, dass die Unterschiede zwischen ihnen gar nicht so groß sind. Schnauz hingegen ist auf diesem Ohr taub. Er, der insgeheim gern der Herrscher des Funklerwaldes wäre, sieht in den Kratzern vor allem eine gute Gelegenheit, sich als Beschützer des Funklerwaldes in Szene zu setzen. Zum Glück gibt es Tiere im Wald, die ihn durchschauen und sich vor die Waschbären stellen.

Sie haben einmal gesagt, dass in jeder Ihrer Geschichten mindestens eine Zutat von einer Ihrer Großmütter stecke. Was steckt von wem im Funklerwald?
Meine Familie stammt aus Hamburg und so hat die Mutter meiner Mutter 1943 als siebzehnjähriges Mädchen die schweren Bombenangriffe auf ihre Heimatstadt miterlebt. Ihre Berichte, wie sie in Hamm durch brennende Straßenschluchten gerannt ist, haben sich tief in mich eingeprägt. In Funklerwald sind es die Waschbären, deren Heimat von einem Sturm verwüstet wird. Sie können nicht zurück. Sie sind schutzlos und auf Hilfe angewiesen. So wie es auch heute vielen, vielen Menschen geht.


Mehr über Stefanie Taschinski

Mehr über Funklerwald