Verlagsgruppe Oetinger

Interview

Kirsten Boie

Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
Natürlich mit Moses. Die ist schließlich auch ein Frauenzimmer und eine kleine Dame.

Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, was sie am liebsten essen?
Moses mag Sirup, den stibitzt sie sich ja immer bei Marten Smutje, und Rüben mag sie nicht. Linsen gehen so, und Dörrfisch auch. Von den Kerlen auf der „Süßen Suse“ weiß ich eigentlich nur, was sie gerne trinken. (Und das ist nicht gut für Kinder, darum schreibe ich es nicht hin.)

Was würde Seeräubermoses machen, wenn sie Bundeskanzlerin wäre?
Das will sie nicht sein. Prinzessin ist sowieso besser und das ist sie schon, was soll sie sich da denn noch mit Wahlkampf stressen? Da bleibt sie lieber eine wunderschöne Prinzessin, die ihrem Land Glück und Gerechtigkeit bringt, wie die Weissagung des Blutroten Blutrubins es prophezeit. Man soll sowieso nie versuchen, seiner Weissagung zu widersprechen.

Würden Sie gerne einen Tag mit Seeräubermoses verbringen? Was würden sie zusammen unternehmen?
Seemannsknoten üben. Das konnte ich mal gut und das kann ich nicht mehr, und wer weiß, wozu ein Doppelter Palstek noch mal nützlich sein kann. Aber beim zweiten Treffen dürfte Moses dann aussuchen, was sie machen will.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben?
Als ich ein Kind war, in Hamburg in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, haben wir in der Schule viel über die Seefahrt gelernt und von Seeräubern gelesen, zum Beispiel von Klaus Störtebeker. Den fand ich toll, viel toller als die Hamburger Kaufleute, die ihm dann zur Strafe für seinen Räuberei den Kopf abgeschlagen haben. Ich dachte, Kinder finden Seeräuber heute vielleicht immer noch gut. Und ich wollte unbedingt, dass sie mal in einer Geschichte  ihre Köpfe behalten. (Und außerdem dürften heute ja auch Mädchen problemlos Seeräuber werden, darum ist Moses also auch eins.)

Was war für Sie das schönste an Ihrer Kindheit?
Damals waren die Eltern noch nicht so ängstlich, glaube ich. Darum waren wir ziemlich frei und konnten sogar in der Großstadt ordentlich spielen. Im Sommer durften wir barfuß laufen, wir mussten eben nur aufpassen, dass wir nicht in Scherben getreten sind. Und auch die weitesten Schulwege sind wir alleine gegangen, mit unseren Freunden, das hat dann natürlich immer sehr lange gedauert. Aber es hat auch Spaß gemacht. – Und neben dem Spielen war für mich das Lesen unglaublich wichtig. Als ich mit zehn die erste öffentliche Bücherei entdeckt habe, war das wie im Himmel. Ich habe schrecklich viel gelesen, meine Eltern haben sich große Sorgen gemacht!

Was wollten Sie als Kind werden?
Autorin. Aber ich wollte Erwachsenenbücher schreiben, natürlich. Und ein paar Jahre lang wollte ich Augenärztin werden, das kam, weil ich ein Buch gelesen hatte, in dem ein blindes Mädchen durch eine Operation wieder sehen kann.

Waren Sie gut in Deutsch?
Ziemlich. Auf Aufsätze habe ich mich immer gefreut. Und wenn die Note mal schlechter war, habe ich gedacht, es liegt daran, dass die Deutschlehrerin nicht erkennen kann, was gut ist. (Aber in anderen Fächern war ich nicht so arrogant.)

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Wenn ich nicht auf Reisen bin, sitze ich so ungefähr um sieben Uhr morgens (wirklich!) am Schreibtisch an meinem Laptop. Dann lese ich noch mal durch, was ich am Tag vorher geschrieben habe, und dann schreibe ich weiter - das geht so ungefähr bis zum Mittag. Danach beantworte ich dann meine Post und Mails und telefoniere und lese Verträge durch. Diese Dinge dauern leider meistens viel länger als das Schreiben!

Welche Bücher haben Sie als Kind gern gelesen?

Alles, was lustig oder spannend war: Astrid Lindgren, Erich Kästner, Enid Blyton, Karl May. Als ich ein bisschen älter war (so ungefähr zwölf) durfte es dann auch gerne traurig sein. Da habe ich auch angefangen, Bücher für Erwachsene zu lesen, aber zwischendurch auch immer noch gerne Kinderbücher.

Welche Bücher lesen Sie heute gerne?
Wenn das nicht als Verrat an der Kinderliteratur empfunden wird: Natürlich Bücher für Erwachsene. Und da wirklich alles Mögliche, von eher anspruchsvollen Büchern bis hin zu (gut gemachten) Krimis, je nach Stimmung. Aber Kinderbücher lese ich natürlich auch immer noch gerne und viel, und ich bin wirklich froh, dass es da so eine große Menge richtig toller Bücher gibt!

Mehr über Kirsten Boie und ihre Bücher

Leinen los, Seeräubermoses

Seeräubermoses (Band 1)